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Mainpost - 19.02.2003

"Das ist besser als Unterricht in derSchule"

Bad Kissingen Wer will fleißige Handwerker sehn? Der muss dieser Tage zum Jugendzentrum gehn. Im großen Saal wird abgeklebt, abgeschliffen und gestrichen, was das Zeug hält. 15 Nachwuchs-Handwerker der Praxis-Klasse der Anton-Kliegl-Hauptschule renovieren im Jukuz und sind sich einig: "Das ist besser als Unterricht in der Schule!"

Gestern sind sie ins Jugend- und Kulturzentrum (Jukuz) eingezogen, bis kommenden Donnerstag sind sie am Werk: 15 Schüler der Praxis-Klasse der Anton-Kliegl-Hauptschule, darunter drei Mädchen, bringen den großen Saal des alten Gebäudes auf Vordermann. Klassleiter Daniel Kamm hatte den 14- und 15-Jährigen im Unterricht vorgeschlagen, die Renovierung zu übernehmen, und siehe da: Die jungen Leute waren gleich mit Feuereifer dabei.

Erzieherin Silke Dorsch, Ansprechpartnerin für die Jugendlichen im Jukuz, ist stolz auf die Kooperation mit der Hauptschule, die aus der Vernetzung mit der Schulsozialarbeit entstanden ist. "Ein Großteil unserer Klientel kommt ohnehin von der Hauptschule", sagt Dorsch. "Die kennen sich in den Räumlichkeiten schon bestens aus."

"Wir wollten einfach gemeinsam etwas auf die Beine stellen", beschreiben Silke Dorsch und Daniel Kamm die Idee. Nachdem die Praxisklasse der Hauptschule, deren Schüler aus dem gesamten Landkreis Bad Kissingen kommen, vor kurzem erst den Begegnungsraum der Kliegl-Schule hergerichtet und neu gestaltet hat, lag es für Kamm nahe, das neu gelernte "Renovierungswissen" gleich zu intensivieren.

Mehrere seiner Schüler haben bereits Praktika in Handwerksbetrieben hinter sich und kommen dementsprechend gut zurecht. "Unsere Klasse war geradezu prädestiniert dazu, diesen Job hier zu übernehmen", scherzt der junge Lehrer, der gemeinsam mit seinen Schüler anpackt. Auch Schulsozialarbeiter Ingo Göllner ist mit von der Partie und arbeitet mit den Schülern Hand in Hand.

Während die Schüler Decken, Wände und Mobiliar streichen, Leisten abkleben, alte Farbe abschmirgeln und sichtlich mit Spaß bei der Sache sind, hat Kamm noch einen anderen Gedanken im Hinterkopf: "Nach getaner, gemeinsamer Arbeit soll sich bei den Neuntklässlern ein Erfolgserlebnis einstellen, der Zusammenhalt der Klasse soll enger werden und das Miteinander zwischen Einheimischen und Aussiedlerkindern verbessert werden."

Sein Plan scheint aufzugehen. Seit 1994 ist der große Saal nicht mehr verändert worden, dementsprechend sind Verschleiß- und Abnutzungserscheinungen da. Die werden nun penibel ausgebessert. Bei der Neugestaltung werden ausschließlich die Ideen der Jugendlichen umgesetzt, die sich für weiße Wände mit Graffiti-Bemalung entschieden haben.

Vor allem der 15-jährige Jörg, der in seiner Freizeit Stammgast im Jukuz ist und in der Klasse als Leitfigur gilt, feuert seine Schulkollegen tüchtig an, mit anzupacken. Er selbst schleift die Holzwände ab, als hätte er diese Arbeit schon immer gemacht, motiviert dazwischen seine Klassenkameraden, wenn die Arme vom Streichen schmerzen und legt seinen ganzen Ehrgeiz in die Renovierung. "Ich bin wie ein Mitglied hier", sagt er von sich, und dementsprechend schön soll der von ihm mitgestaltete Raum auch werden.

"Hier soll für alle Jugendlichen ein Bezug zum Jukuz entstehen, die zarten Bande zwischen Schule und Jugendzentrum sollen zu einem engen Kontakt werden", sagt Kamm. Beim so genannten Schülertreff wird den Jugendlichen seit geraumer Zeit schon Hausaufgabenbetreuung und Mittagsverpflegung angeboten. Die einheimischen Schüler nutzen den Treff rege, Aussiedlerkinder hingegen kaum. Umgekehrt sieht es bei den Abendveranstaltungen aus: Die wöchentlichen Disco-Abende werden vorwiegend von Aussiedlerkindern besucht, die Kissinger Schüler halten sich dann fern. "Das wollen wir ändern, ein Miteinander herbeiführen", sagt Silke Dorsch.

Ein erster Schritt ist getan. Die Jugendlichen, die beim Renovieren mithelfen, wollen in Zukunft öfter das Angebot des Jugendzentrums nutzen. Weitere Kontakte soll der erste Schulfasching der Anton-Kliegl-Schule schaffen, der am 27.  Februar im Jukuz veranstaltet wird.

Dann können die Neuntklässler der Hauptschule ihren Mitschülern stolz "ihr Werk" präsentieren. Einen Hintergedanken wollen Dorsch und Kamm gar nicht verhehlen: "Wir hoffen, dass die Jugendlichen sorgfältiger mit den Räumlichkeiten umgehen, wenn sie selbst zu ihrer Verschönerung beigetragen haben."

 

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