| Bad
Kissingen Wer will fleißige Handwerker sehn? Der muss dieser
Tage zum Jugendzentrum gehn. Im großen Saal wird abgeklebt,
abgeschliffen und gestrichen, was das Zeug hält. 15
Nachwuchs-Handwerker der Praxis-Klasse der
Anton-Kliegl-Hauptschule renovieren im Jukuz und sind sich
einig: "Das ist besser als Unterricht in der Schule!"

Gestern sind sie ins
Jugend- und Kulturzentrum (Jukuz) eingezogen, bis kommenden
Donnerstag sind sie am Werk: 15 Schüler der Praxis-Klasse
der Anton-Kliegl-Hauptschule, darunter drei Mädchen, bringen
den großen Saal des alten Gebäudes auf Vordermann.
Klassleiter Daniel Kamm hatte den 14- und 15-Jährigen im
Unterricht vorgeschlagen, die Renovierung zu übernehmen, und
siehe da: Die jungen Leute waren gleich mit Feuereifer
dabei.
Erzieherin Silke Dorsch,
Ansprechpartnerin für die Jugendlichen im Jukuz, ist stolz
auf die Kooperation mit der Hauptschule, die aus der
Vernetzung mit der Schulsozialarbeit entstanden ist. "Ein
Großteil unserer Klientel kommt ohnehin von der
Hauptschule", sagt Dorsch. "Die kennen sich in den
Räumlichkeiten schon bestens aus."
"Wir wollten einfach
gemeinsam etwas auf die Beine stellen", beschreiben Silke
Dorsch und Daniel Kamm die Idee. Nachdem die Praxisklasse
der Hauptschule, deren Schüler aus dem gesamten Landkreis
Bad Kissingen kommen, vor kurzem erst den Begegnungsraum der
Kliegl-Schule hergerichtet und neu gestaltet hat, lag es für
Kamm nahe, das neu gelernte "Renovierungswissen" gleich zu
intensivieren.
Mehrere seiner Schüler
haben bereits Praktika in Handwerksbetrieben hinter sich und
kommen dementsprechend gut zurecht. "Unsere Klasse war
geradezu prädestiniert dazu, diesen Job hier zu übernehmen",
scherzt der junge Lehrer, der gemeinsam mit seinen Schüler
anpackt. Auch Schulsozialarbeiter Ingo Göllner ist mit von
der Partie und arbeitet mit den Schülern Hand in Hand.
Während die Schüler
Decken, Wände und Mobiliar streichen, Leisten abkleben, alte
Farbe abschmirgeln und sichtlich mit Spaß bei der Sache
sind, hat Kamm noch einen anderen Gedanken im Hinterkopf:
"Nach getaner, gemeinsamer Arbeit soll sich bei den
Neuntklässlern ein Erfolgserlebnis einstellen, der
Zusammenhalt der Klasse soll enger werden und das
Miteinander zwischen Einheimischen und Aussiedlerkindern
verbessert werden."
Sein Plan scheint
aufzugehen. Seit 1994 ist der große Saal nicht mehr
verändert worden, dementsprechend sind Verschleiß- und
Abnutzungserscheinungen da. Die werden nun penibel
ausgebessert. Bei der Neugestaltung werden ausschließlich
die Ideen der Jugendlichen umgesetzt, die sich für weiße
Wände mit Graffiti-Bemalung entschieden haben.
Vor allem der 15-jährige
Jörg, der in seiner Freizeit Stammgast im Jukuz ist und in
der Klasse als Leitfigur gilt, feuert seine Schulkollegen
tüchtig an, mit anzupacken. Er selbst schleift die Holzwände
ab, als hätte er diese Arbeit schon immer gemacht, motiviert
dazwischen seine Klassenkameraden, wenn die Arme vom
Streichen schmerzen und legt seinen ganzen Ehrgeiz in die
Renovierung. "Ich bin wie ein Mitglied hier", sagt er von
sich, und dementsprechend schön soll der von ihm
mitgestaltete Raum auch werden.
"Hier soll für alle
Jugendlichen ein Bezug zum Jukuz entstehen, die zarten Bande
zwischen Schule und Jugendzentrum sollen zu einem engen
Kontakt werden", sagt Kamm. Beim so genannten Schülertreff
wird den Jugendlichen seit geraumer Zeit schon
Hausaufgabenbetreuung und Mittagsverpflegung angeboten. Die
einheimischen Schüler nutzen den Treff rege,
Aussiedlerkinder hingegen kaum. Umgekehrt sieht es bei den
Abendveranstaltungen aus: Die wöchentlichen Disco-Abende
werden vorwiegend von Aussiedlerkindern besucht, die
Kissinger Schüler halten sich dann fern. "Das wollen wir
ändern, ein Miteinander herbeiführen", sagt Silke Dorsch.
Ein erster Schritt ist
getan. Die Jugendlichen, die beim Renovieren mithelfen,
wollen in Zukunft öfter das Angebot des Jugendzentrums
nutzen. Weitere Kontakte soll der erste Schulfasching der
Anton-Kliegl-Schule schaffen, der am 27. Februar im Jukuz
veranstaltet wird.
Dann können die
Neuntklässler der Hauptschule ihren Mitschülern stolz "ihr
Werk" präsentieren. Einen Hintergedanken wollen Dorsch und
Kamm gar nicht verhehlen: "Wir hoffen, dass die Jugendlichen
sorgfältiger mit den Räumlichkeiten umgehen, wenn sie selbst
zu ihrer Verschönerung beigetragen haben." |